Lookabout

 Ich zeige, was ich sehe

Japanische Kirsche - die Pracht dauert nur kurz, Mai 2012, KK

11. Mai 2012    Endstation    Täglich    wachsen    Zeit und Leere  

Kurze Pracht, schnelle Trauer?

Die japanische Kirsche blüht extensiv, prächtig, mit fleischig dicken Blütenständen; eine sagenhafte Pracht. Und zwei Wochen später ist alles vorbei. Sinnbild für die grosse Trauer nach der kurzen überschäumenden Freude, für Verschwendung statt nachhaltiger Sättigung der Gefühle?

Vielleicht einfach eine Mahnung, die geschenkte Freude nicht festhalten, sie aber in jedem Fall sehen und wahrnehmen zu wollen – im Wissen darum, dass Glück niemals ein Geschenk für immer ist. Glück als Synonym für das offensichtlich Schöne, das es uns leicht macht, ja uns darauf anstupst, “es” zu sehen. Während dauerhafteres Glück neben der Kirschblüte die sanften kleinen Triebe anderer Pflanzen genau so sieht, und, zum Beispiel, über das Wunder der Gräser staunen kann.
Der wahrhaft Glückliche braucht keine Kirschblüte im Garten, aber er sieht sie bestimmt und freut sich darüber, ohne das Ende zu beklagen. Er wendet sich vielmehr mit dem Lächeln der Dankbarkeit dem nächsten Wunder zu – und ist ganz gewiss, dass es dieses Wunder gibt – auch für ihn uns seine Wahrnehmung, für sein Er-Leben.